Im Praxisalltag hat sich die Anwendung von „Ready-to-use“ – Desinfektionstüchern mittlerweile als erste Methode zur Desinfektion von Hand- und Hautkontaktflächen, Medizingeräten und Medizinprodukten am Point-of-Care etabliert.
Bietet „Ready-to-use“ den besten Schutz?
Nicht jedes Desinfektionsmittel ist für jeden Zweck geeignet. Produkte werden ausschließlich für klar definierte Anwendungsbereiche zugelassen.
Verlässliche Orientierung bieten fachlich geprüfte Desinfektionsmittellisten. Sie stellen sicher, dass ein Produkt den aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik erfüllt auf Basis von Prüfungen der Wirksamkeit nach europäischen Normen.
Gebrauchsfertige Desinfektionstücher sind heute der Goldstandard, um das Risiko von Kreuzkontaminationen in der Praxis zu minimieren und sowohl Patienten als auch Personal effektiv zu schützen.
- Vermeidung von Dosierfehlern: Gebrauchsfertige Tücher garantieren eine konstante Wirkstoffkonzentrationvom ersten bis zum letzten Tuch.
- Mechanische Keimentfernung: Der Schutz entsteht durch die Kombination aus Chemie (Inaktivierung)und Mechanik (Abtransport).
- Schutz vor Wirkstoff-Adsorption: Zertifizierte Ready-to-use-Systeme sind so aufeinander abgestimmt, dass die volle Desinfektionsleistung auf der Fläche ankommt.
Die Wirksamkeit ist abhängig von der Abgabemenge der Desinfektionslösung und der Vliesstruktur der Tücher
Während herkömmliche Methoden oft auf manueller Tränkung basieren, bieten gebrauchsfertige Systeme eine standardisierte Desinfektionsleistung, sofern sie korrekt angewendet werden.
- die Flüssigkeitsabgabe muss über die gesamte Tuchrolle hinweg konstant sein. Schwankungen im Tränkgrad zwischen den ersten und letzten Tüchern einer Packung können die Desinfektionssicherheit gefährden.
- Tücher auf Cellulosebasis oder alkoholfreier QAV-Basis werden speziell auf ihre Schonung gegenüber empfindlichen Materialien wie Acrylglas (Plexiglas) oder Monitoren untersucht.
Empfehlungen für die Praxis
- Ein-Tuch-Regel: Für jede Fläche sollte ein neues Tuch verwendet werden, um Kreuzkontaminationen zu vermeiden.
- Einwirkzeit beachten: Die Fläche muss während der gesamten vom Hersteller angegebenen Einwirkzeit feucht bleiben.
- Verschlusskontrolle: Behälter und Flowpacks müssen nach jeder Entnahme sofort fest verschlossen werden, um ein Austrocknen der Tücher und damit einen Wirkungsverlust zu verhindern.
- Flächengröße: Die Reichweite eines Tuches ist begrenzt; bei sichtbarer Verschmutzung oder nachlassender Feuchtigkeit muss das Tuch sofort gewechselt werden.
- Keimverschleppung: Eine unsachgemäße Anwendung (z. B. zu große Wischflächen pro Tuch) kann zur Keimverschleppung führen.
- Vor der Nutzung von Flowpacks: Pressen Sie das geschlossene Paket mit beiden Handflächen mehrmals kräftig zusammen und lassen Sie wieder los. Durch den flächigen Druck wird eine gleichmäßige Durchtränkung der Tücher sichergestellt.
Achten Sie auf die hygienisch korrekte Aufbereitung von Tuchspendersystemen
Die hygienisch korrekte Aufbereitung von Tuchspendersystemen (Tuch-Eimern) ist obligat, da diese bei unsachgemäßer Handhabung eine Quelle für gefährliche Keime (z. B. Pseudomonas aeruginosa oder Achromobacter) sein können.
Entleerung und Vorreinigung
- Entfernen Sie alle Resttücher und schütten Sie die verbliebene Desinfektionslösung weg.
- Spülen Sie den Eimer und den Deckel gründlich mit Wasser aus, um sichtbare Rückstände zu entfernen.
- führen Sie eine gründliche Wischdesinfektion aller Innen- und Außenflächen sowie des Entnahmeschlitzes durch.
- Verwenden Sie ein Desinfektionsmittel, das für diesen Zweck vom Hersteller freigegeben ist.
- Wichtig: Lassen Sie den Eimer nach der Desinfektion vollständig an der Luft trocknen. Feuchtigkeit begünstigt das Keimwachstum
Neubefüllung
- Desinfizieren Sie sich gründlich die Hände, bevor Sie die neue Tuchrolle einlegen.
- Setzen Sie die Tuchrolle in den trockenen Eimer ein.
- Füllen Sie die frisch angesetzte Desinfektionslösung ein (Herstellervorgaben zur Konzentration beachten).
- Ziehen Sie das erste Tuch durch den Entnahmeschlitz und verschließen Sie den Deckel sofort fest
Dokumentation und Kennzeichnung
Bringen Sie ein Etikett auf dem Eimer an, das folgende Informationen enthält:
- Name des verwendeten Desinfektionsmittels und Konzentration.
- Datum und Uhrzeit der Befüllung.
- Ablaufdatum (meist 28 Tage nach Befüllung, je nach Herstellerangaben).
- Kürzel der Person, die die Aufbereitung durchgeführt hat.
Zusätzlicher Tipp: Verwenden Sie nach Möglichkeit Einweg-Beutel-Systeme für die Eimer, da diese das Risiko einer Biofilmbildung an den Eimerwänden massiv senken.
Wirkungsspektren beachten
Wirkungsspektren beschreiben die Wirksamkeit gegenüber Mikroorganismen und sind auf dem Etikett und Produktdatenblatt der Desinfektionsprodukte zu finden. Je nach beabsichtigter Anwendung und der zu erwartenden Kontamination im jeweiligen Umfeld sind unterschiedliche Wirkungsspektren erforderlich.
Wie erkennt man ein verkehrsfähiges Desinfektionsmittel?
Entweder das Desinfektionsmittel ist ein Biozidprodukt, ein Medizinprodukt oder ein Arzneimittel. DM sind je nach Anwendungsgebiet klassifiziert:
- Biozidprodukte erkennt man entweder an der Zulassungsnummer (z. B. DE-XXXXXXXXXX) oder bei Produkten, die aufgrund von Übergangsregelungen verkehrsfähig sind, an der BAuA-Registrierungsnummer (N-XXXXX). Bei Unionszulassung erfolgt die Kennzeichnung alternativ mit „EU-XXXX bei UA“
- Medizinprodukte sind durch ein CE-Zeichen gekennzeichnet sowie eine 4-stellige Nummer der benannten Stelle.
- Arzneimittel erkennt man an der Zulassungsnummer für Arzneimittel.
- Es gibt auch Desinfektionsmittel (z. B. für Oberflächen), die eine „Dual-Use Kennzeichnung“ als Biozidprodukt und Medizinprodukt aufweisen. In diesem Fall sind beide Nummern auf dem Etikett aufgeführt.
Wann ist der Anwender bei der Verwendung von Desinfektionsmitteln rechtlich abgesichert?
Wenn das gesamte Praxisteam alle Herstellerangaben befolgt, ist es rechtlich abgesichert. Die Anwender werden in die Pflicht genommen und müssen alle Anwendungsparameter wie Wirkbereich, Konzentration, Einwirkzeit und Materialverträglichkeit kennen und diese Faktoren bei der Produktanwendung beachten.
Herr Henning Adam unser Referent für Hygiene beantwortet gerne Ihre Fragen zum Thema und steht Ihnen sowohl telefonisch als auch schriftlich auf Anfragen über das Kontaktformular zur Verfügung.
