Hand in medizinischen Handschuh, mit Daumen nach oben
Bild: elenavilf @ StockAdobe.com

Damit die Wirkung nicht schmilzt: Kühlpflichtige Medikamente richtig Lagern

(Quelle: Kompetenzzentrum Hygiene und Medizinprodukte der KV´en und der KBV Stand: 17.04.2026)

Leitfaden: Professionelle Medikamentenkühlung

Für eine sichere Lagerung von Arzneimitteln und Impfstoffen sind klare Standards unumgänglich:

  • Gerät & Standort: Der Kühlschrank muss ausreichend groß und für Umgebungstemperaturen von +10°C bis +35°C ausgelegt sein. Er gehört an einen vor Wärme geschützten Ort, der für Patienten unzugänglich ist. Eine Vermischung mit Lebensmitteln ist untersagt.
  • Temperaturmanagement: Um Schwankungen auszugleichen, wird das Gerät idealerweise auf 5°C eingestellt. Eine kontinuierliche Überwachung (ggf. per App) sichert die Wirksamkeit empfindlicher Präparate.
  • Lagerung & Ordnung: Medikamente verbleiben in der Originalverpackung und werden übersichtlich, z. B. in Körben, sortiert.
  • Haltbarkeit: Anbruch- und Verfallsdaten sowie bei Bedarf die Uhrzeit müssen direkt auf den Packungen dokumentiert werden.

Haushaltskühlschränke

Bei der Nutzung herkömmlicher Kühlschränke sollten aufgrund systembedingter Temperaturschwankungen folgende Regeln beachtet werden:

  • Temperaturbereich: Sicherer Betrieb zwischen +2°C und +8°C. Ein Schutzmechanismus gegen Frost (Abkühlen unter +2°C) ist zwingend erforderlich.
  • Kein Gefrierfach: Für die Lagerung von Impfstoffen sind Geräte mit innenliegendem Gefrierfach ungeeignet.
  • Sperrzonen für Impfstoffe: Aufgrund unterschiedlicher Temperaturzonen dürfen Impfstoffe nicht in den Türfächern sowie im obersten oder untersten Bereich gelagert werden.
  • Alarmsystem: Idealerweise verfügt das Gerät über eine akustische oder optische Warnfunktion bei Temperaturabweichungen.

Medikamentenkühlschränke (DIN 13277 / DIN 58345)

Spezialgeräte bieten durch die Erfüllung der Industrienorm die höchste Sicherheit:

  • Präzise Kühlung: Garantierte Stabilität der Innenraumtemperatur zwischen +2°C und +8°C.
  • Sicherheit & Akustik: Die Tür muss abschließbar sein; die Geräuschemission liegt unter 60 dB.
  • Alarmsystem: Sofortige optische und akustische Warnung bei Temperaturabweichungen oder einem Stromausfall von über 12 Stunden.
  • Dokumentation: Die Geräte sind für eine lückenlose Aufzeichnung der Betriebstemperatur vorbereitet.

Kühlpflicht, Kühlkettenpflicht & Transport

Die spezifischen Lagerhinweise und Fachinformationen der Hersteller sind stets vorrangig zu beachten.

  • Kühlpflicht: Eine kurzzeitige Unterbrechung der Kühlung ist möglich, sofern die maximalen Temperaturangaben des Herstellers strikt eingehalten werden.
  • Kühlkettenpflicht: Die Kühlung darf zu keinem Zeitpunkt unterbrochen werden (besonders kritisch bei vielen Impfstoffen).
  • Transport & Reinigung: Für kurze Zeiträume oder die Kühlschrankreinigung ist eine Kühlbox mit Temperaturkontrolle zu nutzen.
  • Wichtig: Direkten Kontakt zwischen Kühlakku und Medikament vermeiden (Frostgefahr!), z. B. durch isolierende Zwischenschichten.

Temperaturkontrolle

  • Thermometer-Wahl: Einfache Thermometer (nur aktuelle Anzeige) sind nicht ausreichend. Erforderlich sind Systeme mit Min/Max-Funktion oder kontinuierlicher Aufzeichnung.
    • Sensortechnik:
    • Separat: Fühler im Inneren, Anzeige außen (Ablesen ohne Türöffnen).
    • Integriert: Anzeige und Fühler in einem Gehäuse.
    • In Flüssigkeit (z. B. Glykol): Misst die reale Medikamententemperatur statt nur der Lufttemperatur.
  • Platzierung: Der Fühler muss im mittleren Bereich des Kühlschranks positioniert werden.
  • Herstellerangaben: Diese sind über den gesamten Lagerungs- und Messprozess hinweg stets vorrangig zu beachten.

Min-Max-Thermometer:

  • Funktion: Sie zeichnen die tiefste und höchste Temperatur seit dem letzten Reset auf.
  • Einschränkung: Es ist nicht ersichtlich, wie lange eine Grenzwertüberschreitung vorlag.
  • Pflicht: Ein tägliches Ablesen (idealerweise zur selben Uhrzeit) inklusive Dokumentation und anschließendem Reset ist zwingend erforderlich.

Temperatur-Datenlogger

  • Datenlogger: Ermöglichen ein einstellbares Aufzeichnungsintervall (z. B. alle 5 – 30 Minuten).
  • Smart-Funktion: Die Daten werden automatisch an mobile Endgeräte übertragen, inklusive sofortiger Alarmierung bei Grenzwertüberschreitungen.

Ausfallmanagement, Temperaturabweichung

Sollte die Kühlung unterbrochen werden oder die Temperatur den Sollbereich verlassen, ist schnelles Handeln gefragt:

Gerätedefekt oder Stromausfall:

  • Kühlschranktür unbedingt geschlossen halten, um die Kälte zu bewahren.
    • Zur Notkühlung gefrorene Kühlakkus in den Kühlschrank legen oder Medikamente in eine Kühlbox auslagern (direkten Kontakt vermeiden!).
    • Umgehend den (Medizin-)Techniker verständigen.

Temperaturabweichungen (Über-/Unterschreitung):

  • Dokumentation: Zeitpunkt und Dauer der Abweichung genau festhalten.
    • Quarantäne: Betroffene Medikamente sofort aussortieren, deutlich kennzeichnen und separat (weiterhin kühl) lagern.
    • Klärung: Die weitere Verwendbarkeit zwingend mit dem Hersteller oder Apotheker abstimmen – erst nach Freigabe wiederverwenden.

Archivierung der Dokumentation

  • Aufbewahrungsfrist: Es gibt keine starren gesetzlichen Vorgaben; die Entscheidung liegt bei der Einrichtungsleitung. Empfohlen wird eine Dauer analog zu anderen QM-Dokumenten (Vorschlag: 5 Jahre).
  • Form: Zur besseren Übersicht und Platzersparnis kann eine zusammenfassende Jahresübersicht der Temperaturlisten erstellt und archiviert werden.

Anforderung von Mustervorlagen

Entsprechende Mustervorlagen für die tägliche Temperaturdokumentation, die Jahresübersicht sowie das Protokoll bei Temperaturabweichungen können bei der Hygieneberatung der KV Saarland unter Hygiene@kvsaarland.de angefordert werden.

Facebook
Drucken
eMail