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null Neues Projekt Resist für einen bewussteren Umgang mit Antibiotika

 

(Saarbrücken, 19.09.2017) Im Vergleich zu anderen Bundesländern erhalten Saarländer öfter Antibiotika ver­ordnet. Im Vergleich zum Bundesdurchschnitt liegen die Ausgaben pro Versicherten für Antibiotika im Saarland um etwa 20 Prozent höher. Um aber Resistenzen zu vermeiden, sollte der unnötige Einsatz von Antibiotika und vor allem Breitspektrum-Antibiotika vermieden werden. Damit die Wirksamkeit vorhandener Antibiotika möglichst lange bestehen bleibt, sollte sichergestellt werden, dass diese nur dort eingesetzt werden, wo sie medizinisch notwendig und sinnvoll sind. 80 Prozent der Antibiotika in Deutschland werden durch niedergelassene Ärzte verordnet. Hier setzt das Projekt RESIST, das der Verband der Ersatzkassen e.V. (vdek) mit seinen Mitgliedskassen gemeinsam mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und acht Kassenärztlichen Vereinigungen seit Juli 2017 durchführt, an. Seit dem profitieren 348.000 bei den Ersatzkassen versicherte Saarländerinnen und Saarländer von RESIST, da die KV Saarland auch an diesem Projekt mitwirkt.

 

v.l. Dr. Joachim Meiser (KVS), Martin Schneider (vdek), Dr. Harald Böttge (Hausarzt und Pharmakotherapieberater) - Foto: vdek

v.l. Dr. Joachim Meiser (KVS), Martin Schneider (vdek), Dr. Harald Böttge (Hausarzt und Pharmakotherapieberater) - Foto: vdek

 

„Bei RESIST geht es darum Ärzte und Patienten für einen bewussteren Umgang mit Antibiotika zu sensibilisieren.“, erklärt Martin Schneider Leiter der Landesvertretung Saarland des vdek. „Dabei setzt RESIST nicht nur bei den Ärztinnen und Ärzte an, sondern wirkt durch eine gezielte Schulung darauf hin, dass Ärzte im Arzt-Patienten-Gespräch über die Wirkung und mögliche Nebenwirkungen von Antibiotikum informieren. Oftmals werden Antibiotika bei Atemwegserkrankungen, wie z.B. Erkältungen verschrieben, obwohl diese bei den meisten Erkältungsleiden nicht helfen. Dies liegt auch oft daran, dass Patienten der Meinung sind, durch den Einsatz eines Antibiotikums schneller wieder fit zu werden. Doch dies ist in den meisten Fällen nicht der Fall. RESIST wird die Patientenversorgung im Saarland ver­bessern und zusätzlich einen Beitrag zur Vermeidung von Resistenzen gegen Antibiotika leisten. “ so Schneider weiter.

Dr. Joachim Meiser Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland ergänzt: „Ich begrüße es ausdrücklich, dass RESIST nicht nur auf die Verordnungspraxis durch niedergelassene Ärztinnen und Ärzten abzielt, sondern auch die Einnahme und die Aufklärung von Patienten mit in den Blick nimmt. Dabei setzt RESIST gezielt auf Aufklärung und Beratung zum Antibiotika-Einsatz beim Patienten. Im Saarland haben bereits 110 Ärzte am Online-Schulungsprogramm teilgenommen und mit Anfang der „Infektionswelle“ im Herbst werden bereits 180 saarländische Ärzte die Online-Schulung abgeschlossen haben.“

Das Projekt RESIST ist im Juli 2017 gestartet und wird noch bis Juli 2019 im Saarland laufen. RESIST verbessert die Patientenversorgung im Saarland und hilft die unnötige Verordnung von Antibiotika vor allem bei Atemwegserkrankungen zu vermeiden.

 

 

Hintergrund

Das Projekt RESIST des vdek, seiner Mitgliedskassen, der KBV und acht KVen wird mit rund 14 Millionen Euro aus Mitteln des Innovationsfonds gefördert. Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet und evaluiert durch das Institut für Allgemeinmedizin der Universitätsmedizin Rostock (UMR) in Zusammenarbeit mit dem Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (ZI). Neben der vdek Landesvertretung Saarland, den Mitgliedskassen des vdek und der KV Saarland nehmen auch die KV-Bezirke Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nieder­sachsen, Nordrhein und Westfalen-Lippe teil. Zusätzlich zu der Online-Schulung für Ärztinnen und Ärzte informiert RESIST Patientinnen und Patienten durch Poster und sog. Infozepte über die Wirkung und den Einsatz von Antibiotika. In Deutschland werden nach dem Antibiotika-Report der DAK-Gesundheit von 2014 etwa 30 Prozent aller Antibiotika unnötig verordnet. Antibiotika wirken nur bei bakteriellen und nicht bei viralen Erkrankungen, wie Erkältungen, hier gilt es Patienten zu informieren und aufzuklären. Durch einen vermehrten Einsatz von Antibiotika in der Human- und Veterinärmedizin haben sich in den letzten Jahren Resistenzen gegen bestehende Antibiotika entwickelt, durch einen bewussteren Einsatz von Antibio­tikum versucht man die Entstehung weiterer Resistenzen zu vermeiden und so die Wirksamkeit der Antibiotika so lange wie möglich zu gewährleisten.

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