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Den Durchblick behalten – Hygienische Aspekte und Infektionsprophylaxe in der Augenheilkunde

Update 2026: Hygiene-Wissen auf den Punkt

Sicherheit, die ins Auge geht: Hygienemaßnahmen im Rahmen der intravitrealen Medikamentengabe – IVM

Klassifizierung der IVM nach den KRINKO-Empfehlungen
  • Die IVM gehört zu den Eingriffen mit geringem Infektionsrisiko und kann „unter modifizierten räumlichen Bedingungen“ durchgeführt werden.
  • Grundlegend ist, dass ein hygienisch einwandfreies Arbeiten – am Point of Care – unter Berücksichtigung der jeweiligen medizintechnischen Ausrüstung und Personalaufwands sichergestellt ist.
Raumlufttechnische (RLT-) Anlage
  • Eine RLT-Anlage ist aus infektionspräventiver Sicht nicht nicht zwingend notwendig.
  • Die Ablauforganisation ist ausschlaggebend dafür, unter welchen räumlichen Bedingungen eine IVM durchgeführt werden muss.
  • Das operative Setting wird in der Qualitätssicherungsvereinbarung IVM (ab dem 01.01.2025) gefordert, hier wird aber nicht die Art der RLT-Anlage spezifiziert.
Eingriffsraum
  • Personalumkleidebereich mit Handwaschbecken (Ausstattung gem. den Anforderungen der TRBA 250),
  • Lagerflächen für z.B. Sterilgüter.
  • „Entlüftungsmöglichkeiten“ in Abhängigkeit der eingesetzten Anästhesieverfahren.
Einschleusung der Patienten
  • Die Patienten bekommen eine Kopfhaube und OP-Schuhe. Alternativ können auch Überschuhe angelegt werden.
  • Händedesinfektion ist obligat.
IVM ist gem. der KRINKO eine Injektion der Risikogruppe 3
  • Bereits der Eintrag geringer Erregermengen in die vordere oder hintere Augenkammer kann zu einer Infektion führen.
Hygienestandard
  • Sterile Handschuhe.
  • Sterile Tupfer.
  • Sterile Abdeck- bzw. Lochtücher.
  • Einmal-Mund-Nasen-Schutz (gesamtes OP-Personal).
  • Der Operateur und die Assistenzkraft müssen sterile Einmalkleidung anlegen.
  • Nutzung von Einwegsets mit Spritzen und vorgerichtete Medikamente sind – wenn möglich – zu nutzen.

Effiziente Flächendesinfektion: Bedarfsgerecht und sicher

IVOM oder ophtalmochirurgische Eingriffe bieten wenig Potential, um die unmittelbare Umgebung und den Fußboden am Point of Care zu kontaminieren. Es ist ausreichend die patientenahen Flächen und Geräte (OP-Lampe, Instrumententisch, Mikroskop) sowie alle sichtbar kontaminierten Flächen zu desinfizieren.

Wird der Fußboden im Eingriffsraum resp. Operationsraum nicht offensichtlich kontaminiert, ist es vertretbar insbesondere mit Blick auf die Wechselzeiten, bei der Zwischenreinigung/-desinfektion den Fokus auf die patientennahen Flächen und die unmittelbare Umgebung am Point of Care zu richten.

Auf die Desinfektion des Fußbodens kann verzichtet werden, es sei denn es ist eine gezielte Desinfektion notwendig.

Übertragung von infektiösen Augensekreten über Kontakt- bzw. Schmierinfektion

Durch direkten Kontakt oder indirekt über kontaminierte Flächen kann es – nach Berührung der Augen mit den Händen – zur Übertragung von z.B. Adenoviren auf die Hände anderer Personen kommen. Berühren diese dann ihrerseits ihre Augen, kann es zu einer Infektion ggf. zu einer Konjunktivitis kommen. Auch das Übergreifen einer Infektion auf das zweite Auge ist möglich.

Adenoviren können auf Haut- und Handkontaktflächen in der unmittelbaren Patientenumgebung lange infektionsfähig bleiben

Aufgrund des beträchtlichen Verbreitungspotenzials von Adenoviren kommt der Verhinderung einer Erregerübertragung besondere Bedeutung zu. Unbelebte Oberflächen, gemeinsam benutzte Gegenstände und Utensilien wie z. B. Türgriffe, Armaturen können bei der Übertragung von Adenoviren eine wichtige Rolle spielen. Auch eine Übertragung über Tonometer-Messkörper ist möglich. Aus infektionspräventiver Sicht sollten Tonometerköpfchen mit einem Instrumentendesinfektionsmittel, das auch unbehüllte Viren erfasst, aufbereitet werden.

Bei der Untersuchung von Patienten mit Verdacht auf bzw. Vorliegen einer Adenovirus-Konjunktivitis mit Berührung von Gesicht bzw. Augen ist das Tragen unsteriler Schutzhandschuhe sinnvoll. Eine unmittelbare Entsorgung nach Anwendung zur Vermeidung von Umgebungskontaminationen und eine zusätzliche sorgfältige Händedesinfektion auch nach dem Tragen von Handschuhen sind dabei wichtig.

Neben der Keratoconjunctivitis epidemica gibt es auch die „banale“ Viruskonjunktivitis durch eine Reihe anderer Typen von Adenoviren, Rhinoviren, Herpesviren oder andere Viren.

Effiziente Hände- und Flächendesinfektion – begrenzt viruzid PLUS oder viruzid

Das Intervall zur Reinigung und Desinfektion sollte im Fall des erhöhten Aufkommens von Keratoconjunctivitis epidemica angepasst werden. Verwenden Sie Hände- bzw. Flächendesinfektionsmittel mit dem Wirkspektrum viruzid oder begrenzt viruzid Plus.

Das Wirkspektrum begrenzt viruzid plus kann ganzjährig eingesetzt werden.

Aufbereitung von Medizinprodukten in der Augenheilkunde – Sicherheit für jedes Auge bis ins kleinste Detail

Die Medizinprodukte werden in unkritische, semikritische und kritische Medizinprodukte (mit entsprechenden Unterteilungen in die Kategorien semikritisch A und B bzw. kritisch A, B und C) eingeteilt.

Kritische Medizinprodukte
  • In der Ophtalmochirurgie werden filigrane mikrochirurgische Instrumente mit engen Lumina eingesetzt.
  • Der Augenhintergrund gilt als Risikogewebe, weil die Möglichkeit – auch wenn diese gering ist – besteht, dass dieser Prionen der Variante CJK/vCJK enthalten kann.
  • Nicht kritisch in Bezug auf das CKV/vCJK Risiko ist der Glaskörper.
  • Das RKI empfiehlt, die ophthalmochirurgischen Instrumente mit alkalischen Reinigern (pH-Wert >10) im RDG zu reinigen/desinfizieren.
  • Um alkalische Rückstände v.a. in den Lumina der filigranen Instrumente zu vermeiden sind geeignete Maßnahmen im Rahmen der Aufbereitung im RDG zu beachten (z.B. spezielle Spülprogramme).
  • Die Aufbereitung ophthalmochirurgischer Instrumente erfordert eine besondere Sorgfalt. Die mit der Aufbereitung in der AEMP beauftragten Mitarbeiter sollten intensiv geschult sein.
  • Rückstände von Silikonöl, Viskoelastika, Gewebe und Medikamente können sehr leicht die engen Lumina zusetzen. Eine manuelle Spülung dieser Instrumente sollte bereits im OP durchgeführt werden.
  • Für die visuelle Kontrolle müssen in der AEMP optische Vergrößerungsgeräte / Lupenlampe eingesetzt werden, ggf. Einsatz eines Mikroskops zur stichprobenartigen Kontrolle der ophthalmochirurgischen Instrumente.
  • Alternativ können Einweginstrumente genutzt werden. Diese sind qualitativ gleichwertig.
  • Die Herstellerangaben sind immer zu beachten.
Semikritische Medizinprodukte
  • Tonometerköpfchen haben direkten Kontakt zur Augenoberfläche und Konjunktiva. Hier muss insb. um eine Übertragung der viralen Keratokonjunctivitis zu vermeiden auf eine effiziente Aufbereitung v.a. der Applanationstonometer geachtet werden.
  • Die Verwendung von Einmaltonometern ist insb. bei Verdacht auf eine z.B. Keratokonjunctivitis in Erwägung zu ziehen.
  • Sichtbare Verunreinigungen (Reste von Kontaktgel) sollten unter fließendem Wasser entfernt werden. Danach das Tonometerköpfchen mit einem Einmaltuch abtrocknen. Die Oberfläche muss makroskopisch sauber sein.
  • Das Tonometerköpfchen im Anschluss in ein Peressigsäure-basiertes Instrumentendesinfektionsmittel einlegen (voll Benetzung).
  • Nach der erforderlichen Einwirkzeit (diese ist abhängig vom verwendeten Desinfektionsmittel und der Konzentration), das Tonometerköpfchen unter fließendem steril-filtriertem Trinkwasser gründlich abspülen und mit einem Einmaltuch abtrocknen.
  • Die Lagerung der aufbereiteten Tonometerköpfchen muss trocken und staubfrei in einem geschlossenen, desinfizierten Behälter erfolgen.
  • Die Aufbereitung von Laser- und Diagnostikgläsern sollte analog zur Aufbereitung der Tonometerköpfchen erfolgen. Cave! Diese MP sind nicht immer kompatibel mit dem verwendeten Desinfektionsmittel, welches mindestens den Wirkbereich begrenzt-viruzid PLUS umfassen muss.
  • Zunehmend werden auch hier Einmalprodukte genutzt.
  • Die Herstellerangaben sind immer zu beachten.
Unkritische Medizinprodukte
  • Unkritisch bedeutet nicht, dass diese MP ohne Risiko am Patienten angewendet werden können, nur die Anforderungen an die Aufbereitung sind andere.
  • Spaltlampen, Perimeter, OCT-Geräte u.ä. kommen grundsätzlich nur mit intakter Haut in Kontakt, können aber bezgl. der Übertragung der viralen Keratokonjunctivitis relevant sein.
  • Wir empfehlen, die unkritischen MP nach der Anwendung am Patienten einer Wischdesinfektion mit einem Adenovirus-wirksamen Desinfektionsmittel zu unterziehen.

Anwendung von Tropfen und Salben am Auge – Abstand halten, Augen schützen

  • Die Verwendung von Einweggebinden wird empfohlen.
  • Bei der Verabreichung von Augentropfen und -salben ist zu beachten, dass zuerst die Augentropfen verabreicht werden, dann die Augensalbe.
  • Abstand halten: Die Fläschchen-/Tubenöffnung darf das Auge oder die Wimpern nicht berühren – so bleibt der Inhalt hygienisch einwandfrei.
  • Bei engmaschigenTropfen-/Salbengaben und bei Verdacht auf infektiöse Augenerkrankungen sollten Augensalben und-tropfen nur für diesen Patienten verwendet werden.
  • Herstellerhinweise zur Lagerung der Augentropfen und Augensalben sind zu berücksichtigen.
  • Bei Anbruch der Behältnisse, diese immer mit Anbruchdatum beschriften.
Hygiene.Einfach.Sicher. Hygiene-Wissen auf den Punkt – für jede FachrichtungUnser Referent Henning Adam berät Sie gerne zu Fragen der Hygiene welche individuell Ihre Fachrichtung betreffen sowohl telefonisch als auch schriftlich auf Anfragen über das Kontaktformular Sie können die Hygiene-Themen auch als Newsletter abonnieren. Ergänzen Sie Ihre KVS-Newsletter-Auswahl unter: www.kvsaarland.de/newsletter