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null Dr. Hagen Reichert - Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin in Homburg

Nach den ersten beiden Wochen Lockdown light: Wie sind die Kapazitäten in Ihrer Praxis? Kommen mehr oder weniger Patienten?

Diese Frage sollte man sehr differenziert beantworten: Die Kapazitäten unserer Praxis sind quantitativ, also bezüglich der Patientenzahlen, absolut ausreichend. Qualitativ, im Sinne der Arbeitsbedingungen und des Belastungsgrades von ärztlichem Personal und medizinischen Fachangestellten, ist aber ganz sicher eine Hochwassermarke erreicht. Die deutlich erschwerten Arbeitsbedingungen (Schutzmaßnahmen, insbesondere Tragen von FFP2 während der gesamten Arbeitszeit) führen zu einer zunehmenden Erschöpfung und ohne Zweifel auch zu psychischen Belastungen. Hier bleibt nur dingend zu hoffen, dass die Pandemie bald überstanden ist.

Schon seit Beginn der Pandemie kommen weniger Patienten, wobei hier klargestellt werden sollte, dass die ganz große Mehrheit der Eltern wichtige Termine, wie Impfungen und Vorsorgen, weiter mit ihren Kindern wahrnimmt. Einbrüche sind dagegen im Segment der freiwilligen Leistungen ( z.B. private Zusatzvorsorgen, freiwillige Zusatzimpfungen, reisemedizinische Sprechstunde) zu verzeichnen. Hier tut sich eine gefährliche Schere auf: In einer Zeit höherer Kosten (Schutzkleidung, Desinfektionsmittel etc.) tun sich auf der Einnahmeseite Lücken auf, die zu einem schmerzhaften Gewinnrückgang führen.

Dr. med. Hagen Reichert (Foto: KVS)

 

Kommen vermehrt Patienten mit Infektsymptomen?

Aktuell kann ich das mit Nein beantworten. Es kommen sehr wohl Kinder und Jugendliche mit fieberhaften Virusinfekten, von einer Welle kann momentan aber nicht die Rede sein. Vermehrt bemerken wir nun aber Kinder, die insbesondere von Kindergärten und Grundschulen zu uns geschickt werden, weil bereits bei banalen Infektsymptomen eine Erkrankung mit Corona befürchtet wird.

 

Wie haben Sie dieses Thema in Ihrer Praxis gelöst? Gibt es eigene Infektsprechstunden?

Wir habe seit Beginn der Pandemie ein striktes Hygienekonzept in unserer Praxis eingeführt. Hier kommen uns die baulichen Voraussetzungen unserer Praxis, die sich über zwei Stockwerke erstreckt, sehr zugute. Bereits an der Praxistür werden die Patienten von einer Mitarbeiterin oder einer studentischen Hilfskraft in Vollschutz (Einmalkittel, FFP2-Maske und Visier) empfangen, Handelt es sich um einen elektiven Termin mit einem gesunden Kind, zum Beispiel zu Vorsorgen Impfungen oder fachärztlichen Untersuchungen in den Bereichen Kardiologie, Neurologie, Pulmologie, Allergologie und Endokrinologie, werden die Familien im unteren Stockwerk unserer Praxis empfangen und behandelt. Alle infektiösen Patienten, sei es mit Husten, Schnupfen, Fieber oder sonstigen Symptomen) werden in das obere Stockwerk verwiesen, wo unsere Akut- und Infektionssprechstunde stattfindet. Entsprechend dieser Aufteilung wird im unteren Stockwerk lediglich eine FFP2-Maslke bei der Arbeit getragen, im oberen Stockwerk („infektiöse Praxis“) wird grundsätzlich im „Vollschutz“ (Kittel, Maske, Visier) gearbeitet.

 

Wie ist der organisatorische Aufwand zur Zeit? Mehr als im Sommer?

Der organisatorische Aufwand, insbesondere in der Personalplanung und Materialbewirtschaftung, ist sehr hoch. In einer Praxis unserer Größe (7 ärztliche Mitarbeiter und 15 Kinderkrankenschwestern und MFAs) ist dies nur durch die äußerst wertvolle Arbeit unserer Praxismanagerin zu gewährleisten.

Sie hält uns durch ihre Arbeit den Rücken frei für die Versorgung unserer Patienten.

 

Wie sieht es mit Schutzkleidung aus? Sind Sie aktuell ausreichendmit Ausrüstung versorgt?

Wir haben uns beizeiten mit Masken und Schutzkitteln eingedeckt , so dass hier aktuell keine Mangelsituation besteht. Dies auch ausdrücklich Dank der Materialbeschaffung und Lieferung durch die KVS, wofür ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken möchte.

Ein Lieferengpass besteht aktuell für Corona-Schnelltests, bei denen erhebliche Lieferzeiten bestehen.

Abschließend möchte ich sagen, dass diese Pandemie für uns alle fachlich und menschlich eine schwierige Zeit ist, die große Herausforderungen, Belastungen und auch Ängste mit sich bringt.

Wir werden sie durch Solidarität im Team und Solidarität in der Ärzteschaft mit Gottes Hilfe überstehen.

Herzliche Grüße, bleiben Sie alle gesund!

Ihr

Dr. Hagen Reichert

Arzt für Kinder- und Jugendmedizin

Kinderkardiologe

Reisemedizin und Gelbfieberimpfstelle

Dozent für Pädiatrie an der Universität des Saarlandes – UKS Homburg

Oberfeldarzt d.R. im Sanitätsdienst der Bundeswehr

(Stand: November 2020)

Anlagen