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null Dr. Matthias Heinze - Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde in Dillingen

Nach den ersten beiden Wochen "Lockdown light": Wie sind die Kapazitäten in Ihrer Praxis? Kommen mehr oder weniger Patienten?

Den ersten Lockdown im Frühjahr hat man noch deutlich gemerkt. In der Sommerzeit hat sich der Betrieb in der Praxis dann weitestgehend wieder auf Normalbetrieb gesteigert. Den zweiten Lockdown, Lockdown light, wie er jetzt genannt wird, haben wir in dieser Deutlichkeit nicht gemerkt. Es ist aber so, dass die Patienten anders in die Praxis finden, das heißt, wir haben nicht mehr das Thema, dass die Patienten morgens ohne Termin an der Anmeldung stehen mit akuten Problemen, sondern die meisten Patienten melden sich jetzt im Vorfeld an. Das heißt, sie nutzen die Möglichkeit per Telefon, per Online-Terminvergabe oder auch per Messenger Dienst im Vorfeld einen Termin zu vereinbaren.

Dr. med. Matthias Oliver Heinze (Foto: Praxis Dr. Heinze)

Kommen vermehrt Patienten mit Infektsymptomen?

Nein, es kommen nicht mehr Patienten mit Infektsymptomen, ganz im Gegenteil. Ich habe den Eindruck, dass die Infektiologie dieses Jahr eher minderrepräsentiert ist. Das hat sicherlich die Gründe, dass die AHA-Regeln, also Abstand, Hygiene, Alltagsmaske auch gegen andere Infektionskrankheiten wirksam sind. Das heißt, was in die Praxis kommt, sind Infektpatienten, die entweder abklären wollen, ob sie eventuell an einer Covid-Erkrankung leiden, oder Patienten mit schwerwiegenden Symptomen. Aber insgesamt haben die Infektpatienten eher abgenommen. Das sieht man zum Beispiel auch bei der Verordnung von Antibiotika, die deutlich heruntergegangen sind.

Auffällig ist dieses Thema besonders bei den Kindern. Wir haben sonst immer relativ viele Kinder in der Praxis, die akute Infektionen der oberen Atemwege hatten, sei es eine Mittelohrentzündung, sei es eine akute Schnupfensympomatik, sei es ein fieberhafter Infekt. Seit die Kinder nicht mehr regelmäßig Schulen und Kitas besucht haben, ist dies deutlich gemindert. Vielen Kindern geht es deutlich besser dadurch, dass sie mehr Zeit zuhause verbringen.

 

Wie haben Sie dieses Thema in Ihrer Praxis gelöst? Gibt es eigene Infektsprechstunden?

Ja, wir haben eine spezielle Infektsprechstunde am Ende der Sprechstunden eingerichtet. Das heißt, dass Patienten mit fieberhaften Infekten sich nach telefonischer vorheriger Anmeldung bei uns vorstellen können.

 

Wie ist der organisatorische Aufwand zur Zeit? Mehr als im Sommer?

Ich persönliche empfinde den organisatorischen Aufwand derzeit höher als im Sommer. Das liegt aber da dran, dass ich eine Müdigkeit bei den Menschen bemerke, eine Atemschutzmaske zu tragen. Man muss die Patienten immer wieder dazu animieren, die Maske während des gesamten Aufenthaltes in der Praxis und auch in der Untersuchungssituation aufzubehalten.

 

Wie sieht es mit Schutzkleidung aus? Sind Sie aktuell ausreichend mit Ausrüstung versorgt?

Im Moment sind wir ausreichend mit Schutzausrüstung beliefert, so dass ich bei mir aktuell keinen Engpass habe. Ich habe den Sommer dazu genutzt, die Schutzkleidung, die von Nöten ist, insbesondere Mund-Nasen-Schutz, FFP-Masken, Handschuhe und Desinfektionsmittel ausreichend zu bestellen. Insgesamt scheint der Markt insbesondere für Handschuhe aber sehr leer zu sein.

Ich glaube, die wichtige Message ist, dass die Patienten beruhigt die Praxen aufsuchen können. Wir tun alles, um entsprechende Schutzmaßnahmen durchzuführen. Infektiologische Krankheitsbilder, fieberhafte Infekte sollten unbedingt abgeklärt werden. Man sollte aber auch die Routine- und Konntrolluntersuchungen nicht vergessen. Auch hier besteht keine Problematik, dass die Patienten die Praxen nicht aufsuchen könnten.

(Stand: November 2020)

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