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null Reinhard Gombert

In unregelmäßigen Abständen stellen wir im Saarländischen Ärzteblatt Kolleginnen und Kollegen vor, die seit 30, 35 oder 40 Jahren als Vertragsärzte tätig sind. Dr. Reinhard Gombert war von 1989 – Ende März 2019 in Sulzbach als Orthopäde niedergelassen und ist seit 01.04.2019 als angestellter Arzt in der Gemeinschaftspraxis tätig.

Dr. Reinhard Gombert, Foto KVS

Sie sind seit 30 Jahren als Vertragsarzt tätig. Wie kamen Sie zum Studium und zur Niederlassung?

Mein Vater war bereits niedergelassenere Orthopäde, hat mich aber nie zum Medizinstudium gedrängt. Das hat sich entwickelt. Da ich sportlich sehr engagiert war – und immer noch bin – habe ich mich ebenfalls für die Orthopädie entschieden. Ich kam mit Wartezeit zum Studium und habe das dann aber schnell „durchgezogen“. Nach meiner Assistenz- und Oberarztzeit bei Herrn Prof. Diehl in Püttlingen, habe ich 1989 die Praxis meines Vaters übernommen. Ich war 5 Jahre alleine tätig – mit Belegabteilung im St. Josef Krankenhaus in Dudweiler. 1994 kam Dr. Caspary dazu, der mittlerweile leider verstorben ist, 5 Jahre später Dr. Würker. Seit 3 Jahren sind wir in Überörtlicher Gemeinschaftspraxis mit Dr. Theres in Dudweiler tätig, seit 2 Jahren an einem weiteren – mittlerweile 3. Standort – mit Dr. Lang und Dr. Kurz. Seit April bin ich als angestellter Arzt mit reduzierter Stundenzahl in der Praxis in Sulzbach tätig. Ansonsten hat sich aber dadurch nichts geändert.

Wie war der Start in der Praxis?

Wegen Alter und Gesundheitszustand meines Vaters war die Praxis bereits „reduziert“, ich musste einiges neu aufbauen. Ich hatte am ersten Tag ziemliche „Muffe“, dass niemand käme, aber die Praxis war sehr schnell voll. Das hat sich auch nicht mehr geändert.

Was bedeutet es, so lange am selben Ort und auch mit langjährigen Mitarbeiterinnen tätig zu sein?

Ich wollte den Menschen sowohl konservativ als auch operativ helfen. Ich habe gute Kontakte zu den Vereinen vor Ort. Naturgemäß mittlerweile also ein älteres Klientel. Sie sind mir sehr ans Herz gewachsen. Ich empfinde mich hier in Sulzbach immer noch als Land- und Hausorthopäde, viele meiner Patienten behandele ich bereits in 3. Generation, da wächst man zusammen.

Mir war es auch immer wichtig, ein gutes Verhältnis zu den niedergelassenen Hausärzten zu haben.

Unsere Mitarbeiterinnen sind seit vielen Jahren in der Praxis – teilweise selbst bereits seit 50 Jahren. Es ist eine gut gewachsene Gemeinschaft aus jung und alt. Ohne dieses tatkräftige und gute Miteinander würde der ganze Ablauf nie funktionieren. Dankbar bin ich auch meiner Frau, die mich – trotz drei Kindern – auch immer zusätzlich unterstützt hat.

Was sind schöne oder weniger schöne Erlebnisse oder Erfahrungen in der Praxis? Gehen Sie noch gerne zur Arbeit?

Es gibt immer mal wieder lustige Erlebnisse mit Patienten. Es ist öfters vorgekommen, dass ich bei Fußverletzungen auch den gesunden Fuß untersuchen wollte, und Patienten mir dann antworteten „Herr Doktor, darauf bin ich jetzt aber nicht gerichtet“.

Mir machen die medizinische Arbeit und der Umgang mit den Patienten sehr viel Freude. Ich gehe also noch gerne zur Arbeit, mache gelegentlich sogar noch Hausbesuche, zum Beispiel bei Patienten, die jetzt aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in die Praxis kommen können, die aber seit 20 Jahren meine Patienten sind. Aber die Querelen mit der Gesetzgebung, die Budgetierung und die Bürokratie belasten mich zunehmend.

Mit welchem Selbstverständnis behandeln Sie Ihre Patienten?

Wenn ein Patient zu uns in die Praxis kommt, hat er etwas, egal, ob „Zipperlein“ oder ernsthafte Krankheit. Man muss ihn als Patienten und als Mensch sehen, auf Augenhöhe sowieso, sonst funktioniert das nicht. Wir haben Patienten aus allen Gesellschaftsgruppen und Bildungsstufen. Darauf muss man sich einlassen. Das haben wir gut geschafft!

Immer mehr Patienten informieren sich im Internet. Sehen Sie das als Problem?

Die Medaille hat zwei Seiten. Wenn man sich mit einem entsprechenden Bildungsstand informiert und fachlich fundierte Beiträge recherchiert, kann das sinnvoll sein. Es besteht aber natürlich immer die Gefahr, dass Informationen falsch verstanden werden und daher eher verunsichern. Ich bin allerdings ein Freund der Zweitmeinung und empfehle das auch, wenn es nötig ist.

Welchen Rat würden Sie jungen Kollegen geben, die sich als Hausarzt/ Facharzt niederlassen möchten? Wie sehen Sie die Niederlassung heute aus ökonomischer Sicht?

Als „Alleinunterhalter“ würde ich mich nicht mehr niederlassen. Nur noch in einer menschlich funktionierenden Gemeinschaftspraxis. Generell ist eine Niederlassung ja auch mit hohen Investitionskosten verbunden. Als Alleinbetreiber nur mit Kassenpatienten ist das nicht zu stemmen. Insbesondere als Orthopäde muss man breit aufgestellt sein, zum Beispiel mit Operationen, denn der Praxisablauf in der Orthopädie ist kostenintensiv. Jungen Orthopäden würde ich ganz besonders empfehlen, möglichst viele Zusatzqualifikationen zu erwerben. Das ist wichtig für die Behandlung, aber auch um sich monetär abzusichern.

Welche Wünsche würden Sie gerne an die Politik richten? Was würde Ihnen die Arbeit erleichtern?

Das sehe ich so, wie viele meiner Kollegen. Weniger Bürokratie! Entscheidungen nicht am grünen Tisch treffen, sondern sich mehr über die Tätigkeit z. B. eines Landarztes informieren, was diese für teilweise wenig Geld machen müssen. Wir Ärzte werden oft als „Geldgeier“ hingestellt. Nicht von den Patienten, da stehen wir im Ansehen immer noch sehr hoch, aber von der Politik. Politiker sollten sich mal montags morgens in einer „Wald- und Wiesenpraxis“ umsehen, was dort los ist. Das ist scheinbar immer noch nicht ausreichend bekannt. Heute müssen wir Ärzte kämpfen, wenn wir fachlich qualifiziert behandeln und dafür ausreichend Geld bekommen wollen.

Gibt es auch Dinge, die im Vergleich zu früher besser geworden sind?

Der wissenschaftliche Fortschritt hat der Medizin und den Ärzten viele neue, sinnvolle Mittel an die Hand gegeben, um unseren Patienten effektiv zu helfen; aber man sollte sich immer bewusst sein, dass nicht alles was machbar ist, auch gemacht werden muss.

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