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null Dick, Jutta und Klaus: Langjähriger Patientenkontakt macht die Praxistätigkeit abwechslungsreich

In einer Reihe im Saarländischen Ärzteblatt stellen wir Ärztinnen und Ärzte vor, die seit 30, 35 oder sogar 40 Jahren im Saarland tätig sind.

Dr. Klaus Dick war von 1979 bis 2014 in Wallerfangen als Hausarzt niedergelassen, seit 2014 arbeitet er als angestellter Arzt in der Praxis. Seine Frau, Dr. Jutta Dick, ist seit mittlerweile 35 Jahren in derselben Praxis niedergelassen. Mit in der Gemeinschaftspraxis sind seit 25 Jahren Marcellus Dutt, seit 9 Jahren auch dessen Frau Regina Ngobi-Dutt.

Dr. Klaus und Dr. Jutta Dick mit Praxisteam anlässlich des 40-jährigen Praxisjubiläums von Klaus Dick im April 2019 (Foto: Praxis Dres. Dick/ Dutt)

Frau Dr. Dick, Herr Dr. Dick, Sie sind jetzt seit 35 bzw. 40 Jahren in der gleichen Praxis tätig. Das heißt, Sie gehen immer noch gerne zur Arbeit?

Dr. Klaus Dick: Absolut. Ich bin ja eigentlich schon im Ruhestand, aber trotz meiner 74 Jahre macht mir meine Arbeit immer noch großen Spaß.  Ich freue mich, meinen Patienten zu begegnen, die mir teilweise seit 40 Jahren ihr Vertrauen schenken. Durch unsere langjährige Praxistätigkeit haben wir ein freundschaftliches Verhältnis mit vielen unserer Patienten.

Als Allgemeinarzt lernt man die Patienten intensiver kennen. Bei Hausbesuchen nach der Morgensprechstunde kommt es auch schon mal vor, dass man spontan zum Mittagessen eingeladen wird. Die Patienten zeigen ihre Verbundenheit zur Praxis des Öfteren durch Mitbringen von selbstgebackenem Kuchen, Kaffee oder Obst aus eigenem Anbau.

Auch den Kontakt zu meinen langjährigen Arzthelferinnen möchte ich nicht missen.  

Dr. Jutta Dick: Der langjährige Patientenkontakt teilweise über Generationen hinweg  macht die Praxistätigkeit  sehr interessant und abwechslungsreich. Patientengespräche beziehen sich oft nicht nur auf die gesundheitlichen Probleme, sondern beinhalten auch Tipps zu Ernährung und Lebensführung.  Man unterhält sich auch über Reiseerlebnisse, tauscht auch schon mal ein Koch- oder Backrezept aus Ich habe auch schon Haushaltshilfen oder Arbeitsstellen vermittelt.

Was hat sich aus Ihrer Sicht im Verlauf Ihrer Praxistätigkeit geändert?

Dr. Jutta Dick: Damals gab es weniger Gerätemedizin, keinen Ultraschall. Heute kommt man durch die verbesserte apparative Ausstattung in der Diagnostik häufig schneller und einfacher voran.

Wir nutzen seit ca. 25 Jahren EDV, die uns die Patientenverwaltung, Dokumentation und Abrechnung erheblich erleichtert.  Durch die Herausnahme etlicher Medikamente aus der Verordnungsfähigkeit bzw. Kostenerstattung (z.B. Erkältungsmittel oder Salben) gehen gerade jüngere Patienten nicht mehr zum Arzt sondern direkt in die Apotheke. Stattdessen kommen mittlerweile mehr ältere Patienten in die Praxis, die oft multimorbide sind. Dadurch ist der diagnostische und therapeutische Aufwand gestiegen; der Zeitbedarf hat zugenommen.

Haben Sie deshalb Ihre Gemeinschaftspraxis um zwei weitere Ärzte vergrößert?

Dr. Klaus Dick: Ja, alleine könnte man das gar nicht stemmen. Außerdem ist  das Patientenaufkommen auch durch Schließung von Nachbarpraxen gestiegen. Durch unsere Kollegen werden wir alle entlastet und profitieren durch mehr Freizeit.

Welche Vorteile hat eine große Gemeinschaftspraxis gegenüber einer Einzelpraxis?

Dr. Jutta Dick: Neben der persönlichen Entlastung hat man auch mehr Zeit für den Patienten.  Der fachliche Austausch  mit den Kollegen ist hilfreich. Ein weiterer Vorteil ist, dass jeder von uns eigene Schwerpunkte hat. Davon profitieren auch die Patienten.

Dr. Klaus Dick: Im Fall eines dringenden Hausbesuchs stockt der Betrieb dank der Kollegen nicht völlig.  Im Allgemeinen hat jeder Patient seinen favorisierten Arzt, aber einige bevorzugen von Fall zu Fall den mit der kürzesten Wartezeit.

Die Weitergabe einer Einzelpraxis ist sicherlich schwieriger. In einer Gemeinschaftspraxis ist der Neueinstieg für einen jungen Kollegen bzw. eine junge Kollegin einfacher.

Haben sich die Patienten auch verändert? Stichwort Internet?

Dr. Klaus Dick: Teilweise hat sich der Umgang mit den Patienten verändert. Die Patienten sind besser vorinformiert (Dr. Google), aber auch anspruchsvoller. Heute muss man die Patienten mehr in die Entscheidungen mit einbeziehen.

Dr. Jutta Dick: Ich sehe die Vorinformation im Internet nicht als Nachteil. Häufig müssen wir aber Aufklärungsarbeit leisten. Viele Patienten fühlen sich durch Informationen im Internet eher verunsichert, häufig werden Informationen falsch interpretiert. Unsere „Aufklärungsarbeit“ wird daher positiv gesehen.

Das Verhältnis zu den Patienten ist heute eher partnerschaftlich.  Die Patienten bringen uns immer noch sehr viel Vertrauen entgegen. Ich kläre die Patienten immer sehr ausführlich über ihre Erkrankung und die mögliche Diagnostik und Therapie auf. Daraus resultiert ein besseres Verständnis der Patienten für ihre Erkrankung und die Compliance ist deutlich höher.

Welche Verbesserungen gibt es im Vergleich zu früher?

Dr. Klaus Dick: Es hat sich einiges durch die EDV geändert und verbessert. Jetzt hat man die älteren Befunde einfach auf dem Schirm, früher musste man ins Archiv und mühsam die Karteikarte durchforsten.

Dr. Jutta Dick: Wieviel sich verändert hat, merken wir oft an den Diskussionen der altgedienten Arzthelferinnen, die mittlerweile seit 25 – 40 Jahren bei uns sind, mit unseren jüngsten, die sich manches oft gar nicht mehr vorstellen können. Früher war die Abrechnung zum Beispiel ein Riesenaufwand, heute geht das innerhalb kürzester Zeit am PC.  Damals hat man die Krankenscheine noch selbst zur KV gebracht zur Abrechnung.

Eine große Erleichterung sind die Bereitschaftsdienstpraxen. Anfangs hatten wir ja ganze Wochenenden Dienst von Samstagmorgen um 8 Uhr bis Montagmorgen um 8 Uhr mit Hausbesuchen und stundenweisen Sprechstunden. Während der Woche manchmal 3 Abende Hintergrunddienst, bei dem  man zuhause sitzen musste um erreichbar zu sein.  

Heute kann ich meinen Dienst allein machen, da ich durch  mein Handy überall erreichbar bin. Ich habe dann zwar einen größeren Bezirk zu versorgen, bin aber nur noch 3x im Jahr an der Reihe. Der Dienst in der BDP ist zwar auch anstrengend, aber insgesamt ist die neue Dienstregelung   ein großer Fortschritt.

Würden Sie jungen Kollegen empfehlen, sich als Hausarzt niederzulassen?

Dr. Jutta Dick: Ja, unbedingt wegen der enorm abwechslungsreichen Tätigkeit. Wir haben Patienten mit einem sehr großen Spektrum an Erkrankungen... Teils  eher alltägliche  Dinge , aber auch hoch komplizierte Sachverhalte, seltene Erkrankungen und natürlich viele chronische Erkrankungen.

Es ist sehr schön und interessant, den Krankheits-Verlauf zu sehen, also die Patienten über eine längere Zeit zu begleiten, auch zuhause zu sehen, das Umfeld  und  die Familie zu kennen. Das bringt auch ganz andere Erkenntnisse, als wenn ich den Patienten nur hin und wieder in der Praxis sehe.

Ärzte- und Praxisteam der Gemeinschaftspraxis Wallerfangen (Foto: KVS)

Haben Sie in Sachen Niederlassung besondere Tipps? Das „Schreckgespenst Regresse“ geistert teilweise immer noch umher…

Dr. Jutta Dick: Man kann den jungen Kollegen eigentlich nur empfehlen, sich in einer allgemeinmedizinischen Gemeinschaftspraxis niederzulassen. Die Vorteile haben wir ja schon genannt.

Die KV ist im Allgemeinen eine Hilfe. Bisher haben wir sie durchweg positiv erlebt. Die KV hat uns nie Schwierigkeiten gemacht oder uns Steine in den Weg gelegt. Es gibt viele Beratungsmöglichkeiten. Die sind heute sicherlich noch besser als früher. Im kleinen Saarland ist es sowieso ein Vorteil, dass jeder jeden kennt und sich über den kurzen Dienstweg austauschen kann. Das Thema Regressgefahr ist sicherlich immer noch ein bisschen da. Da könnte man in Sachen Beratung sicher noch mehr tun. Hier helfen wahrscheinlich auch die geplanten Mentorenprogramme. Wünschenswert wäre eine bessere Honorierung der zeitaufwändigen Gespräche und Präventivleistungen in der Hausarztpraxis.

Ein abschließender Satz?

Dr. Klaus Dick: Es ist alles eingetreten, was ich mir gewünscht und erhofft hatte und ich bin sehr zufrieden.

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