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null Kooperationsformen

Für  Ärzte und Psychotherapeuten gibt es unterschiedliche Varianten in der ambulanten vertragsärztlichen bzw. psychotherapeutischen Versorgung tätig zu werden. 

Neben der traditionellen Einzelpraxis gibt es immer mehr Praxisformen, die eine stärkere Kooperation mit Kollegen oder eine Tätigkeit an mehreren Standorten erlauben. Besonders in den vergangenen Jahren sind unterschiedliche zusätzliche Modelle für die Zusammenarbeit von Ärzten und Psychotherapeuten entstanden. Bei der Wahl der Struktur für die Zusammenarbeit sind persönliche Erwartungen und Präferenzen, regionale Gegebenheiten, die eigene Praxissituation sowie die Möglichkeiten und Interessen der Kooperationspartner zu berücksichtigen.

Nachfolgend die wichtigsten Informationen.

 

Eine zusammenfassende Übersicht über die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Kooperationsformen finden Sie unter "Downloads" zum Herunterladen.

Die Broschüren der Buchreihe „Beratungsservice für Ärzte” geben ausführliche Informationen und Entscheidungshilfen zur Niederlassung, zum Aufbau und zur Führung einer Vertragspraxis. Eine Auflistung der verfügbaren Titel finden Sie unter "Kostenloses Informationsmaterial" (siehe "Weiterführende Links").

Selbstverständlich helfen wir Ihnen auch gerne in einem persönlichen Beratungsgespräch weiter.

 

 

Einzelpraxis

Die Einzelpraxis ist die klassische Form der Berufsausübung in selbstständiger ärztlicher Tätigkeit. Nach wie vor entscheiden sich viele Vertragsärzte oder Vertragspsychotherapeuten für diese Praxisform. Ein Vorteil der Einzelpraxis liegt darin, dass man seine Praxis nach den eigenen Wünschen gestalten kann.

Das heißt, man kann seine persönlichen Vorstellungen in medizinischer Hinsicht als auch bei der Praxisorganisation verwirklichen. Sprechstundenzeiten und Urlaub zum Beispiel können alleine geplant werden, eine Abstimmung mit Kollegen ist nur im Hinblick auf die erforderliche Vertretung notwendig.

Für die Behandlung von GKV-Patienten in eigener Praxis ist eine vertragsärztliche bzw. –psychotherapeutische Zulassung erforderlich. Diese erteilt der zuständige Zulassungsausschuss.

Neben einer Vollzulassung ist auch die Zulassung mit einem hälftigen Versorgungs­auftrag möglich. Bei einem hälftigen Versorgungsauftrag halbiert sich die Zeit der vorgeschriebenen Präsenz in der Praxis auf mindestens zehn Sprech­stunden pro Woche. Das eröffnet die Möglichkeit neben der selbstständigen Tätigkeit im Rahmen eines hälftigen Versorgungsauftrags eine Halbtagsbeschäftigung in einem Krankenhaus, Universitäten oder anderweitig zulässigen Tätigkeiten.

Der Begriff Einzelpraxis erzeugt in der Vorstellung schnell das Bild eines „Einzelkämpfers“. Doch Einzelpraxis bedeutet nicht: abgeschieden, alles allein neu erfinden zu müssen. Kooperation und Vernetzung mit Kollegen sind in vielen Variationen bereits heute möglich zum Beispiel als Praxisgemeinschaft. Auch eine Anstellung von Ärzten oder die Ausbildung von Weiterbildungsassistenten sind in der Einzelpraxis möglich.

 

Berufsausübungsgemeinschaft

Die Berufsausübungsgemeinschaft  (BAG)  oder ehemals Gemeinschaftspraxis sieht gegenüber der Praxisgemeinschaft eine deutlich engere Bindung der Kooperationspartner vor, die nicht mehr eigenständig, sondern mit allen Rechten und Pflichten, Chancen und Risiken Gesellschafter an einem gemeinsamen Unternehmen sind. Die BAG bildet also gesell­schaftlich und rechtlich eine Einheit. Bei der  BAG schließen sich mehrere Ärzte und/oder Psychotherapeuten mit dem Ziel zusammen, gemeinsam Patienten zu behandeln.

Die Partner einer BAG bilden wirtschaftlich sowie organisatorisch eine Einheit. Sie führen eine gemeinsame Patientenkartei, rechnen über eine gemeinsame Abrechnungsnummer ab, haften gemeinsam und treten nach außen als eine Praxis auf. Sie arbeiten aber weiterhin eigenverantwortlich und medizinisch unabhängig.

Eine Berufsausübungsgemeinschaft können nach § 33 Absatz 2 der Ärzte-Zulassungsverordnung „alle zur vertragsärztlichen Versorgung zugelassenen Leistungserbringer“ bilden. Die Beteiligten müssen nicht der gleichen Fachgruppe angehören.

Von der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland wird die Berufsausübungsgemeinschaft als wirtschaftliche Einheit betrachtet. Da die BAG die intensivste Kooperationsform darstellt, muss sie durch den Zulassungsausschuss genehmigt werden. Dazu muss dem Ausschuss rechtzeitig der Gesellschaftervertrag vorliegen, aus dem der Gesellschaftszweck und sonstige Voraussetzungen hervorgehen müssen. Die gemeinsame Berufsausübung ist örtlich an einem Vertragsarztsitz und unter bestimmten Voraussetzungen auch überörtlich möglich.

 

Praxisgemeinschaft

Die Praxisgemeinschaft ist eine Form der Kooperation von Ärzten. Das Ziel einer Praxisgemeinschaft ist aber nicht die gemeinsame Behandlung von Patienten, sondern die gemeinsame Nutzung sächlicher sowie personeller Mittel, um Kosten zu reduzieren. Hierbei schließen sich zwei oder mehrere Vertragsärzte bzw.- Psychotherapeuten gleicher oder verschiedener Fachgebiete zusammen, um Räume, Geräte und Personal gemeinsam zu nutzen. Das bedeutet sie führen die vertragsärztliche Tätigkeit nicht gemeinsam aus. Sie führen jeweils eine eigene Patientenkartei, behandeln ihren eigenen Patientenstamm und treten gegenüber der KV wie eine Einzelpraxis auf.

Möchten Sie eine Praxisgemeinschaft gründen, ist dies der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung anzuzeigen. Eine besondere Genehmigung ist nicht erforderlich.

 

Medizinische Versorgungszentren

Das Medizinische Versorgungszentrum – kurz MVZ – ist eine Form der ambulanten Versorgung. MVZ sind fachgruppenübergreifende und fachgleiche (Mit Inkrafttreten des GKV-Versorgungsstärkungsgesetzes zum 23.07.2015 sind auch fachgleiche MVZ zulässig.) ärztlich oder psychotherapeutisch geleitete Einrichtungen, in denen Ärzte und Psychotherapeuten im freiberuflichen und/oder angestellten Status tätig sind. MVZ müssen ärztlich geleitet werden. Der ärztliche Leiter muss in dem MVZ selbst als angestellter Arzt oder Vertragsarzt tätig sein. Sind in einem MVZ unterschiedliche ärztliche Berufsgruppen gemeinsam tätig (beispielsweise Ärzte und Psychotherapeuten), kann das MVZ auch in kooperativer Leitung geführt werden. Gleichwohl ist bei einer reinen psychotherapeutischen Ausrichtung eine psychotherapeutische Leitung des MVZ denkbar.

Ein MVZ kann nur von zugelassenen Ärzten bzw. Psychotherapeuten, von zugelassenen Krankenhäusern, von Kommunen, von Erbringern nichtärztlicher Dialyseleistungen nach  § 126 Abs. 3 SGB V oder von gemeinnützigen Trägern, die auf Grund von Zulassungen oder Ermächtigungen an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmen, gegründet werden. 

Durch die Gründung eines MVZ können keine neuen Sitze in einem Planungsbereich geschaffen werden. Vielmehr muss der entsprechende Planungsbereich für die im MVZ vorgesehenen Fachrichtungen offen sein. Das MVZ kann sich wie eine Einzelperson auf ausgeschriebene Vertragsarztsitze bewerben. Ein Vertragsarzt oder Vertragspsychotherapeut kann auch auf seine Zulassung verzichten, um sich in einem MVZ anstellen zu lassen.

Die zugelassenen MVZ im Zulassungsbezirk der KVS (Stand: 01.07.2015) finden Sie in einer Aufstellung unter "Downloads".

 

Zulassung eines MVZ

Damit ein MVZ an der vertragsärztlichen und vertragspsychotherapeutischen Versorgung teilnehmen kann, muss es zugelassen werden. An die Zulassung sind bestimmte Bedingungen geknüpft. So muss der Gesellschafter die erforderliche Gründereigenschaft mitbringen, d. h. Leistungserbringer der gesetzlichen Krankenversicherung sein. Voraussetzung ist auch, dass das MVZ ärztlich geleitet wird.

Das MVZ muss außerdem an einem festen Standort angesiedelt sein. Es besteht aber die Möglichkeit zu Filialbildung oder überörtlichen Zusammenschlüssen.


Rechtsformen

Grundsätzlich können Gesellschafter eines MVZs jede Rechtsform, die für den Arztberuf zulässig ist, für ihren Zusammenschluss wählen, d. h. etwa die Personengesellschaft in Form einer Gesellschaft des bürgerlichen Rechts, die Partnerschaft oder die Kapitalgesellschaft in Form einer GmbH oder AG. Wenn sich die Gesellschafter auf die Rechtsform einer juristischen Person des Privatrechts einigen, müssen sie eine sogenannte selbstschuldnerische Bürgschaftserklärung abgeben. Damit haften sie für Ansprüche der Krankenkassen oder der KV auch mit ihrem Privatvermögen. Die Gründung von MVZ durch Kommunen kann in der öffentlich-rechtlichen Rechtsform des Eigenbetriebs und des Regiebetriebs erfolgen. Die offene Handelsgesellschaft und die Kommanditgesellschaft sind als Rechtsformen eines MVZs nicht erlaubt.  

 

MVZ und Abrechnung

Das MVZ rechnet wie eine fachübergreifende Berufsausübungsgemeinschaft ab.