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null Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) zu Gast bei der KVS

Fortbildungsveranstaltung vom 11.09.2019

Am 11.09.2019 hat die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) in Zusammenarbeit mit der Ärztekammer des Saarlandes und der Kassenärztlichen Vereinigung eine Informationsveranstaltung zu aktuellen Themen aus dem Bereich Arzneimitteltherapie angeboten.

Dr. Joachim Meiser, stellv. Vorsitzender des Vorstandes der KVS, begrüßte die Gäste und stellte die Themen vor. Gerade die Geriatrie sei momentan ein Schwerpunkthema. Auch Herr San.-Rat Dr. Josef Mischo, Präsident der Ärztekammer des Saarlandes, richtete grüßende Worte an die Gäste. Die Themen der Veranstaltung nähmen immer mehr an Bedeutung zu, sodass das Thema Multimorbidität auch im Fokus der Fortbildungen der Ärztekammer stehe.

Im ersten Vortag stellte Herr Prof. Dr. Tom Bschor (Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Mitglied der AkdÄ) das Thema „Arzneimittel mit Suchtpotential – wo beginnen Missbrauch und Abhängigkeit“ vor. 2017 habe die geschätzte Anzahl an Medikamentenabhängigen in Deutschland bei ungefähr 1,5 Mio. gelegen. Insbesondere unter Benzodiazepinen und Z-Substanzen sei die Abhängigkeit weit verbreitet. Er ging auf das Risiko von Benzodiazepinen gerade bei älteren Menschen ein und gab den Teilnehmern Tipps was getan werden kann, wenn ein Patient über Schlafstörungen klagt. Neben vielen Schlafhygiene-Maßnahmen nannte er als medikamentöse Alternative zum Beispiel auch den Einsatz sedierender Antidepressiva wie Trimipramin, Mirtazapin oder auch pflanzliche Sedativa wie etwa Baldrian.

Prof. Bschor bei seiner Rede

Weiterer Schwerpunkt des Vortrages war der Einsatz von Opioiden Die Verordnungen von Opioiden würden kontinuierlich ansteigen. „Insbesondere Pflaster werden in ihrer Gefahr unterschätzt“, so Prof. Bschor. Gerade bei chronischen Schmerzen (außer in der Palliativmedizin) seien Opiate weniger zu empfehlen, da bei einer Dauerbehandlung das Problem einer erhöhten Schmerzempfindlichkeit bestehe. Prof. Bschor regte an: „Eine Reduktion der Opiate kann sogar Schmerzen eindämmen“.

Frau Dr. Ursula Köberle (Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Geschäftsstelle der AkdÄ) erklärte in einem weiteren Vortrag den „Umgang der AkdÄ mit Medikationsfehlern“ und zeigte den Teilnehmern Fallbeispiele aus dem Spontanmeldesystem. Sie betonte, dass aus Berichten zu Medikationsfehlern häufig Maßnahmen zur Risikominderung abgeleitet werden können und appellierte: „Jede Meldung trägt dazu bei, mehr über Risiken eines Arzneimittels zu erfahren und so die Therapie für Patienten sicherer zu machen“. Frau Dr. Köberle erklärte auch wie Medikationsfehler und andere Nebenwirkungen der AkdÄ gemeldet werden können und wie diese bearbeitet werden. Hierzu gibt es einen Leitfaden der AkdÄ. Im Praxisalltag können Ärzte über ein kostenloses Abonnement des Newsletters Drug Safety Mail  Informationen über Arzneimittelrisiken (z. B. Rote-Hand-Briefe) erhalten.

Herr Prof. Dr. Daniel Grandt (Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie, Vorstandsmitglied der AkdÄ), der auch als Moderator durch die Veranstaltung führte, ging in seiner Rede auf „besondere Risiken in der medikamentösen Therapie bei alten Menschen“ ein. So beleuchtete er Multimorbidität als Ursache von Multimedikation und mögliche unerwünschte Folgen.

„Nicht nur zu wenige, sondern auch zu viele Arzneimittel können Patienten schaden“, merkte Prof. Grandt an. In seinem Vortrag wurde deutlich, welche Schwierigkeiten das Thema Polypharmazie mit sich bringt. Etwa, wenn die leitliniengerechte Behandlung mehrerer vorliegender Erkrankungen zu gefährlichen oder kontraindizierten Arzneimittelkombinationen führt. Die Priorisierung von Therapiezielen für und mit dem Patienten und die Prüfung auf die Möglichkeit zum Absetzen von Medikamenten bei Patienten sind hier sinnvoll.

Er wisse, dass all diese Schwierigkeiten nicht nach seinem Vortrag gelöst seien, jedoch gab Prof. Grandt den Zuhörern eine praktische Empfehlung mit auf den Weg: „Kümmern Sie sich jeden Monat um ein arzneitherapeutisches Problem“. Als Beispiel nannte er Allopurinol, was nicht verabreicht werden müsse, wenn Patienten keinen Gichtanfall gehabt haben. „Prüfen Sie z.B. wie viele Patienten ohne vorherigen Gichtanfall Allopurinol erhalten und korrigieren Sie dies. Und im Monat danach gehen Sie das nächste Problem an.“ Grundsätzlich verordne ein Hausarzt im Durschnitt etwa 70 Wirkstoffe. Er riet: „Beschäftigen Sie sich mit den Wirkstoffen, die Sie regelmäßig verordnen“.

Die Veranstaltung rückte interessante und wichtige Themen in den Fokus. Auf viele Fragen der Teilnehmer konnte eingegangen werden und so endete nach drei Stunden ein erfolgreicher Nachmittag.

Die Präsentation der Referenten finden Sie am Ende dieser Seite unter den Anlagen.

Foto: KVS