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null Dr. Jan Hrkal: Der Schritt in die Selbstständigkeit lohnt sich

In einer Reihe im Saarländischen Ärzteblatt stellen wir in loser Folge Ärztinnen und Ärzte vor, die seit 30, 35 oder 40 Jahren im Saarland niedergelassen sind. Dr. Jan Hrkal ist seit 1989 in Neunkirchen als Hautarzt niedergelassen, genießt seinen Beruf heute umso mehr und möchte weiter arbeiten, so lange es geht.

Dr. Jan Hrkal mit Ehefrau, Weiterbildungsassistentin und Praxisteam

Warum haben Sie sich überhaupt für ein Studium der Medizin entschieden?

Mein erster Beruf war Kellner. Meine Mutter hatte entschieden, dass ich einen Beruf erlernen sollte. Da es schon immer mein sehnlichster Wunsch war, das Abitur zu machen, besuchte ich ein Abendgymnasium, das ich erfolgreich mit Abitur abschloss.

Meine erste Liebe war die Tochter eines indischen Diplomaten. Sie studierte Medizin (ich war zu diesem Zeitpunkt noch Kellner). Ihre Eltern waren mit unserer Beziehung aufgrund meiner beruflichen Tätigkeit nicht einverstanden. Also musste ich etwas ändern: Ich bestand die Aufnahmeprüfung an der Karls-Universität in Prag und begann mit dem Medizinstudium (Leider verließ mich meine Freundin bereits nach dem 1. Semester).

Nach meiner Facharztprüfung habe ich in der damaligen Tschechoslowakei keine Zukunft mehr gesehen und das Land verlassen, nachdem ich eine Besuchserlaubnis zu Verwandten im Westen erhalten hatte. Meine Verwandten, die deutsche Vertriebene waren, halfen mir nachzuweisen, dass auch ich deutscher Abstammung bin. So erhielt ich innerhalb weniger Monate die deutsche Staatsangehörigkeit.

Die Facharztprüfung musste ich hier in Deutschland erneut ablegen.

Ich kam nach Homburg an die Hautklinik zu Prof. Dr. med. Hans-Otto Zaun. Das war mein größtes Glück! Er bot mir sofort eine Gastarztstelle am Klinikum in Homburg an, die ich auch ohne zu überlegen direkt annahm. Ihm verdanke ich alles. Leider ist er letztes Jahr verstorben.

Warum haben Sie sich niedergelassen?

Durch regelmäßige Vertretungen bei niedergelassenen Kollegen hier im Saarland, in Rheinland-Pfalz und Hessen fand ich Gefallen an der Arbeit in der Praxis. Daher entschloss ich mich, eine eigene Praxis zu eröffnen und bin seit nunmehr 30 Jahren in Neunkirchen niedergelassen. Meine Ehefrau, eine sehr erfahrene Arzthelferin, ist seit 30 Jahren meine Stütze in der Praxis, obwohl sie seit 10 Jahren noch ein eigenes Kosmetikstudio betreibt.

Welche Erwartungen hatten Sie, als Sie vor 30 Jahren eine eigene Praxis gegründet haben?

Der Bedarf an Hautärzten war von Anfang an sehr groß, ich hatte keine Schwierigkeiten, mich als Hautarzt zu etablieren. Trotz vieler Patienten Tag für Tag macht meine Arbeit mir immer noch Freude.

Was waren Ihre schönsten oder lustigsten Erlebnisse in der Praxis?

Ein Patient kam nach Jahren erneut wieder in die Praxis und sagte zu mir: „Bei Ihrem Vater war ich auch schon in Behandlung“. Er konnte es nicht glauben, dass ich es war, der ihn vor Jahren behandelt hatte. Er meinte nur „da haben Sie sich aber sehr gut gehalten“.

Um die Stimmung im OP aufzulockern und den Patienten die Angst zu nehmen, antworte ich meist auf die Aussage „ich kann aber kein Blut sehen“ mit „ich auch nicht, dann machen wir doch beide mal lieber die Augen zu“. Ich bin sehr froh, dass viele Patienten mir seit Beginn der Praxis treu geblieben sind und dass ich schon den zweiten und manchmal dritten Generationswechsel miterlebt habe.

Mit welchem Selbstverständnis behandeln Sie Ihre Patienten?

Man lernt nie aus. Auch als alter Hase gibt es immer wieder Herausforderungen und Grenzen, die man bewältigen muss. Und falls man mit seinem Latein am Ende ist, besteht immer noch die Möglichkeit, Kollegen um Rat zu fragen oder den Patienten an die Universitätsklinik zu überweisen.

Gehen Sie immer noch gerne zur Arbeit?

Ich genieße jeden Tag meiner Arbeit. Früher habe ich immer überlegt, was ich mache, wenn ich mal in Rente gehe. Heute möchte ich, so lange meine Gesundheit es zulässt, arbeiten, da ich meinen Beruf umso mehr genieße und gerne arbeite.

Wie entspannen Sie in Ihrer Freizeit?

In meiner Freizeit war ich teilweise künstlerisch tätig. Einen Teil meiner Bilder habe ich in Form eines Kalenders veröffentlicht und vielen Kollegen und Patienten zu Weihnachten geschenkt. Für Prof. Hans Otto Zaun habe ich ein Ex Libris gezeichnet. Dieses ließ er drucken und in seine bekannte Sammlung aufnehmen.

 

In seiner Freizeit entspannt Dr. Hrkal beim Malen

Ex Libris für Prof. Zaun

Welchen Rat würden Sie jungen Kollegen geben, die sich als Hausarzt/ Facharzt niederlassen möchten?

Der Schritt in die Selbstständigkeit lohnt sich. Der intensive Kontakt zu den Patienten, eine vielseitige Arbeit und die Dankbarkeit der Patienten sind Argumente, die mich persönlich motivieren. Man sollte sich nicht entmutigen lassen.

Welche Wünsche würden Sie gerne an die Politik richten? Was würde Ihnen die Arbeit erleichtern?

Bitte lasst mir meine Karteikarten! Die Entscheidung zur Selbstständigkeit fällt schwer. Aktuell ist die Bürokratie im niedergelassenen Bereich zu stark ausgeprägt. Ein Beispiel dafür sind die erst vor kurzem eingeführten freien Sprechstunden.

Zum Schluss möchte ich mich bei meiner Frau und meinem Team bedanken, dass sie mir immer den Rücken freigehalten haben und mit mir durch Dick und Dünn gegangen sind.

Dr. Jan Hrkal, November 2019

 

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